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Gastbeitrag „Osteopathie und Depressionen“

In meinem heutigen Gastbeitrag geht es um die Wirkung von Osteopathie bei Depressionen.

Meine geschätzte Kollegin Celine Bittner von ONA Osteopathie Kronberg beantwortet u.a. die interessante Frage: „Welche Sichtweisen hat die Osteopathie auf Depressionen und lassen sich diese durch Studien belegen?“

Osteopathie ist ein ganzheitliches Verfahren.
Das bedeutet, dass sich Osteopath*innen bewusst sind, dass sich unsere Psyche, unsere Emotionen und unser Körper wechselseitig beeinflussen. Dieses Wissen wird in der Therapie genutzt. In dem folgendem Artikel wird eine osteopathische Sichtweise auf die Erkrankung Depression beleuchtet und mögliche Wirksamkeit durch 2 Studien besprochen.

Vorab möchte ich betonen, dass Depression eine ernst zu nehmende Erkrankung ist. Osteopathie kann keine ärztliche Diagnose, Psychotherapie oder Medikamente ersetzen! Die nachfolgende Darstellung von psychischen Beschwerden aus osteopathischer Sicht sind lediglich als begleitende Maßnahme, zusätzlich zur konventionellen Therapie gedacht. Falls du oder Bekannte unter Depressionen leiden oder du den Verdacht hast, es könnte eine Erkrankung vorliegen, hole dir  bitte professionelle Hilfe. Depressionen sind heutzutage gut therapierbar. 

Depression gehört zu den häufigsten psychischen Erkrankungen.
Im Jahr 2016 sind 8,2% der erwachsenen Deutschen an einer depressiven Störung erkrankt, das sind 5,3 Mio. Menschen. Im Laufe des Lebens erkranken 17,1 % der erwachsenen Deutschen mindestens einmal an Depressionen. Frauen sind zwei- bis dreimal so häufig betroffen, was vor allem durch die hormonellen Einflüsse auf die Psyche zu erklären ist.

Ob ein Mensch an Depressionen erkrankt, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Zum einen spielt eine genetische Veranlagung eine Rolle. Weitere Faktoren, die den Entstehungsmechanismus dieser Krankheit beeinflussen können, sind die hormonelle Lage, Neurotransmitter und das Immunsystem. Umwelt und Schicksalsschläge spielen ebenfalls eine Rolle. Dabei kann man jedoch die Erfahrungen die man als Mensch macht, nie von dem Geschehen im Körper trennen. Zum Beispiel: negative Lebenserfahrungen, die mit negativen Gefühlen einhergehen, verringern den Spiegel an Antikörpern im Blut, was wiederum das Immunsystem schwächt.

Krankheiten entstehen dann, wenn eine oder mehrere Funktionssystem des Körpers aus dem Gleichgewicht geraten und der Körper die Fähigkeit zur Kompensation verliert. Diese Faktoren sind neben den körperlichen Systemen auch die Umgebung und das Sozialleben. Auch wenn es unterschiedliche Ursachen gibt, warum Depressionen entstehen, lässt sich alles auf einen Faktor herunter brechen: Stress. Dabei kann Stress vielfältig aussehen. Von Leistungsdruck, über Liebeskummer, bis hin zu körperlichem Stress durch chronische Rückenschmerzen wegen eines Bandscheibenvorfalls. Alle haben gemein, dass sie für eine bestimmte hormonelle Lage im Körper sorgen und zu verschiedenen Folgen führen können. Unter anderem auch Depressionen.

Doch was ist Stress?
Um Stress verstehen zu können muss man sich den Aufbau des Nervensystems vor Augen führen. Dieses besteht aus dem Gehirn + dem Rückenmark (zentrales Nervensystem) und den Nervenästen, die sich von dort aus durch den restlichen Körper ziehen (peripheres Nervensystem). Außerdem gibt es noch das autonome oder unwillkürliche Nervensystem, welches sich ebenfalls im Gehirn befindet und eine direkte Verbindung zum Hormonsystem hat.

Dieses unwillkürliche Nervensystem lässt sich zwei Systeme einteilen: In ein aktivitätssteigerndes, sympathisches Nervensystem und in ein regenerationsförderndes, parasympathisches Nervensystem. Gemeinsam regulieren sie alle Organfunktionen. Unter anderem auch das Stresslevel.

Diese zwei Systeme waren historisch gesehen sehr wichtig, um in akuten lebensbedrohlichen Situationen (Stress, Säbelzahntiger) überleben zu können. Doch in unserer heutigen komplexen Welt ist dieses System oft fehlreguliert, da für den Körper absolut nicht lebensbedrohliche Ereignisse (Streit mit dem Chef, Stau, Gewalt in Filmen, etc.), dennoch als lebensbedrohlich empfunden werden.

Stress sorgt für die Aktvierung des sympathischen Nervensystems. Regeneration wird gestoppt, das Immunsystem geschwächt. Der Blutdruck steigt, wir sind angespannter, reaktionsbereiter, wachsamer. Und kommen dafür schlechter zur Ruhe. Eigentlich ist dieses System dazu gedacht, nur kurzfristig aktiv zu sein und uns vor vorübergehende Gefahren zu schützen. Doch heutzutage befinden wir uns oft in einem dauerhaften Zustand von Stress und Angespanntheit.

Um mit diesen Reaktionen umgehen zu können entwickeln Betroffene oft Bewältigungsstrategien wie z.B. Alkoholismus, Essen von Süßem oder Ablenkung durch Fernsehen. Eine Zeitlang schaffen betroffene es diesen Zustand „auszuhalten“ oder zu kompensieren – oft jahrelang. Aber irgendwann sind die körpereigenen Reserven verbraucht. Da dauerhaft Stresshormone wie Cortisol oder Adrenalin ausgeschüttet werden, können Langzeitschäden an anderen Organen entstehen. Des weiteren wird nachhaltig unser Hormonsystem und damit unser Gemütszustand durcheinander gebracht. Wenn das passiert kann ein Zustand von völliger Erschöpfung auftreten. Dies kann sich verschieden äußern, z.B. als „Burn-Out Syndrome“, oder in Form von Ängsten, Depressionen, Schlafstörungen, körperlichen Schmerzen.

Aus osteopathischer Sicht ist Depression also nicht immer die eigentliche Krankheit, sondern entsteht als Folge verschiedener Faktoren, durch die der Körper zu lange im Stressmodus war. So gehen Osteopath*innen davon aus, dass es sich positiv auf die Symptome der Depression auswirken kann, wenn man den Körper dabei unterstützt wieder mehr in den parasympathischen (regenerationsfördernden) Zustand zu gelangen. Vor allem die craniosacrale Osteopathie beschäftigt sich mit Regulationsstörungen des Nervensystems.

Im Folgenden werden 2 Studien vorgestellt, die sich dieser Thematik annähern:

Kurzzeiteffekt von Osteopathie bei Depression
In einer Studie (1) an insgesamt 28 Patienten*innen wurden die Kurzzeiteffekte von Osteopathie auf Depressionen erforscht. Als Kontrollgruppe wurden die Proband*innen entweder nur leicht berührt (Scheinbehandlung) oder sie sollten sich ausruhen.

Die Patient*innen wurden dreimal osteopathisch behandelt. Dabei wurde ihre Herzratenvariabilität gemessen (ein Faktor, der bei depressiven Patienten vermindert ist und eine Aussage über das Gleichgewicht des autonomen Nervensystems zulässt). Außerdem wurde anhand eines Patientenfragebogens das persönliche Empfinden der Depression erörtert.

Aus der Studie geht hervor, dass eine osteopathische Behandlung sowohl bei der Herzratenvariabilität, als auch bei dem persönlichen Empfinden der Depression signifikant (also deutlich) bessere Ergebnisse zeigte, als die Scheinbehandlung oder die Ruhephase.

Somit geht aus der Studie hervor, dass eine osteopathische Therapie, begleitend zu den konventionellen Maßnahmen, sinnvoll sein könnte. Bei der aufgeführten Studie handelt es sich um eine Pilotstudie mit kleiner Probandenzahl. Um die Ergebnisse weiter stützen zu können, sollte das Studiendesign im größeren Stil wiederholt werden.

Osteopathie bei Frauen mit Depression
Eine zweite Studie (2) befasste sich mit dem Einfluss von Osteopathie auf Frauen mit Depressionen. Dabei wurden 17 Frauen mit neu diagnostizierter Depression in eine Behandlungsgruppe (mit osteopathischer Behandlung) und in eine Kontrollgruppe (ohne Osteopathie) eingeteilt. Vor und nach dem Interventionszeitraumes wurde ein spezieller Fragebogen ausgefüllt, um das Empfinden der Depression zu bewerten. Zusätzlich erhielten beide Patientengruppen ein Antidepressivum und eine 30-minütige wöchentliche Psychotherapie-Sitzung.

Nach dem 8-wöchigen Behandlungszeitraum konnten bei allen Probandinnen deutliche Verbesserungen ihrer psychischen Verfassung festgestellt werden. 100% der Patientinnen, die osteopathisch behandelt wurden, zeigten einen Fragebogen der als „normal“, also unauffällig eingestuft werden konnte. In der Kontrollgruppe besserten sich zwar die Symptome, dennoch wurden nach den Kriterien des Fragebogens 70% als immer noch depressiv eingestuft. Das bedeutet, in nur 8 Wochen konnte eine Behandlung bestehend aus Antidepressivum, Psychotherapie und Osteopathie dafür sorgen, dass alle Patientinnen, die durch den Fragebogen zuvor als depressiv eingestuft wurden, nun keine Symptome der Depression mehr aufwiesen.

Diese Ergebnisse sind sehr vielversprechend. Da allerdings auch hier wieder nur eine sehr kleine Patientinnenanzahl gegeben war, sollte die Studie mit einer größeren Patientinnengruppe wiederholt werden.

Fazit
Depression ist eine komplexe Erkrankung. Der Entstehungsmechanismus und die körperlichen Vorgänge sind bis heute noch nicht gänzlich erforscht. Auch wenn die wissenschaftliche Literatur bisher noch nicht sehr ergiebig ist im Bezug auf das Thema Osteopathie und Depressionen, so sind die wenigen Studien die es bereits gibt, durchaus vielversprechend.

Ergänzend arbeite ich bei Stress und depressiven Verstimmung mit der Stärkung von Nebennieren, Schilddrüse und Eierstöcken sowohl hormonell als auch pflanzlich. ONA Osteopathie und die Praxis für Frauengesundheit zeigen sich als starkes Team für Ihre Gesundheit. Mit herzlichem Dank an Celine Bittner ONA Osteopathie für die Erlaubnis zur Veröffentlichung

 

Literatur
1. Scherding C. Osteopathie bei Depressionen: Kurzzeiteffekt auf Herzratenvariabilität, Befinden und Schweregrad: Osteopathie Schule Deutschland; 2013

  1. Plotkin BJ, Rodos JJ, Kappler R, Schrage M, Freydl K, Hasegawa S, Hennegan E, Hilchie-Schmidt C, Hines D, Iwata J, Mok C, Raffaelli D. Adjunctive osteopathic manipulative treatment in women with depression: a pilot study. J Am Osteopath Assoc. 2001; 101(9): 517-523.

 

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