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Endometriose – medizinisch gutartig und dennoch körperlich bösartig

Die Endometriose ist ein häufiges, „gutartiges“ (also nicht krebsauslösendes) gynäkologisches Krankheitsbild mit chronischem Verlauf. Sie wird definiert durch das Vorkommen von funktionell und morphologisch endometriumähnlicher Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) außerhalb der Gebärmutter. So heißt es in den Lehrbüchern.

„Bösartig“ für Betroffene (allen Menschen mit Gebärmutter) ist diese Erkrankung deshalb, weil

1.) sie häufig jahrelang nicht erkannt wird – wer unterzieht sich schon gern einer Bauchspiegelung (die es beweisen würde)

2.) die Erkrankung so viele unterschiedliche Beschwerden machen kann (nicht nur zyklusabhängige Schmerzen), die wirklich lebenseinschränkend sind

3.) sie chronisch verläuft

Nicht immer hängt die Schmerzintensität mit der Ausbreitung der Herde zusammen, sondern es kommt auf die Lage dieser an.

Bezüglich der Ursache und Entwicklung der Krankheit wurden in den letzten Jahrzehnten verschiedene Theorien aufgestellt, eine endgültige Klärung der Körpervorgänge wurde bisher leider nicht erreicht. Die Frage „warum nicht“ bleibt offen, obwohl nach Angaben der Endometriose Vereinigung Deutschland ca. 8-15 % aller Frauen in der fruchtbaren Zeit daran leiden. Das sind jährlich 40.000 Neuerkrankungen. Ich vermute, dass die Dunkelziffer viel größer ist und Frauen still leiden, weil sie sicherlich nicht immer ernst genommen werden oder unter falschen Glaubenssätzen aufgewachsen sind, was ihren weiblichen Zyklus und die Blutung betreffen.

Mit meinem Beitrag im „Endo-March“ möchte ich drei Theorien genauer betrachten und Alternativen zur Hormontherapie (Pille) zeigen.

  1. Die Transplantationstheorie

Endometriumzellen aus der Gebärmutter sollen während der Menstruation retrograd („nach hinten gerichtet“) durch die offenen Eileiter in das kleine Becken gelangen. Es kommt dann zu Verwachsungen dieser Zellen mit den Strukturen/Organen, ja teilweise dringen sie in diese ein. Obwohl das bei vielen Frauen der Fall ist (rein physiologisch), ist es unklar, warum es nicht bei Jeder zu diesen Adhäsionen kommt. Das Volumen retrograden Blutes ist allerdings bei Betroffenen deutlich höher.

Hier empfehle ich dringlich auf das Verzichten auf Tampons, um den Rückfluss des Blutes nicht zu begünstigen. Der Tampon wirkt wie ein Stöpsel, der den freien Blutfluss behindert. Außerdem versuchen wir in der Therapie eine Hypermenorrhoe (zu starke Blutungsmenge) zu reduzieren.

  1. Das Archimetra-Konzept

Früher glaubte man, dass die Gebärmutter ohne Bewegung ist, aber das stimmt nicht. Sie ist ein aktives Organ (mit Peristaltik). Dafür sorgt die embryologisch angelegte Archimetra (Drüsen und Schichten der Schleimhaut sowie der darunterliegende Muskelschicht). Ihre weiteren Aufgaben sind: „Einpflanzhilfe“, Wachstum, Spermienweitertransport und Immunabwehr. Es wird vermutet, dass die Hyperperistaltik durch einen Hyperöstrogenismus der Archimetra ausgelöst wird. Damit geht sie in die Transplantationstherorie über.

  1. Die Autoimmun-/Immunabwehr-Theorie

Normalerweise müssten wir davon ausgehen, dass die ektopen Zellen, die in den Bauchraum oder in andere Organe gelangen, von der lokalen Immunabwehr zerstört und abgebaut werden. Bei Endometriosepatientinnen ist das aber nicht der Fall.

Gründe könnten darin liegen, dass eine andere Autoimmunerkrankung vorliegt, die das Immunsystem bereits auf ein anderes „Terrain“ lockt, oder dass durch eine Darmwand-Durchlässigkeit (leaky gut) unterschwellige Entzündungen (silent inflammation) entstehen, die die Aufmerksamkeit der Abwehr in Anspruch nehmen.

Diese drei Ansätze nehme ich in meine Therapie auf. Gemeinsam mit der Patientin fokussieren wir, je nach Ausprägung der Erkrankung:

  • Die Hormonelle Balance => Vermeidung einer Östrogendominanz, so wie es der schulmedizinische Ansatz mit Einsatz der Gestagenpille oder Gestagenspirale ebenfalls verfolgt – aber eben ohne synthetische Hormone. Hier liefert ein Hormonspeicheltest am Anfang der Therapie wichtige Hinweise. In meiner Praxis kommt häufig ein Test zum Einsatz, der den Östrogen-Stoffwechsel abbildet (u.a. auch wichtig bei hormonabhängigem Brustkrebs). Denn im Umbau-/Abbau von Hormonen fallen Stoffwechselendprodukte an, die Körper stärker belasten als das reine Ursprungshormon selbst. Das gilt natürlich in Abstimmung mit der individuellen Beschwerdelage und vorliegenden Operationsberichten. Ich zeige mich sehr verantwortungsvoll und begleite, wenn nötig, auch Frauen unter der Pilleneinnahme.
  • Die Ernährungsumstellung => Verzicht auf Phytinsäure – Weizen, Soja, Reis, Keimlinge, Nüsse, wenig Histamin gerade in der Zeit vor der Periode) und antientzündlich Ernährung (vegan, aber nicht so viel Rohkost)
  • Das Immunsystem => Liegt bekannterweise zu einem Großteil im Darm. Hier stellt die Darmdiagnostik eine wichtige Therapiesäule da. Dazu kommen Vitalstoffe wie Vitamin C, Omega 3 und anderen antioxidative Pflanzen. Und der Stressabbau spielt (mal wieder) eine wichtige Rolle. Denn unter Stress (Cortisol) ist das Immunsystem unterdrückt.

 

Wenn gewünscht, gebe ich gern psychosomatische Impulse zur Erkrankung. Wichtig für mich ist, dass bei jedem „körperlichen“ Symptom auch die Sprache der Seele zur Wort kommen darf.

Neueste Erkenntnisse

Es werden zunehmend Erreger bei Endometriosepatientinnen in der Gebärmutter gefunden. Dazu gehören überwiegend E-Colis, Streptokokken und Enterokokken.

Hilfe bekommst du z. B. unter www.endometriose-vereinigung.de, in diversen Selbsthilfegruppen und natürlich bei mir in der Praxis für Frauengesundheit.

Andrea Mohr

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