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Was hat mein Darm mit meinen Hormonen zu tun?

Diese Frage höre ich sehr oft von meinen Patientinnen, wenn ich ihnen neben dem Hormonspeicheltest auch einen Darm-Check in meiner Praxis anbiete.

Ihre Gesundheit beginnt im Darm

Es gibt offensichtliche Beschwerden im Bereich der Verdauung (Blähungen, Durchfall, Nahrungsmittelunverträglichkeiten usw.) und versteckte oder indirekte Beschwerden, die mit dem Darm in Verbindung stehen. Unser Thema heute sind die hormonellen Zusammenhänge.

Doch zuvor – wie immer – steht das „Verstehen“ Was ist denn eigentlich ein Darmmikrobiom?

Es bildet die Gesamtheit aller Mikroorganismen in unserem Verdauungstrakt. Es entsteht während der Geburt, wenn wir Fruchtwasser und Vaginalsekret unserer Mutter auf dem Weg in die Welt aufnehmen.

Es entscheidet über Gesundheit und Krankheit. Schon ab dem 1. Tag unseres Lebens unterliegen wir diesem eigenen Kosmos. Und ein Wissenschaftler sagte einmal: „Wir wissen mehr über das Weltall, als über unserem Darm.“ Ich denke, hier gibt es noch viel Forschungspotenzial.

Ein besonders artenreiches Darmmikrobiom ist wichtig, denn viele Erkrankungen gehen mit einer Abnahme der Diversität im Darm einher. Wir kennen heute (erst) ca 160 Arten, von denen wir nur einen Bruchteil in Form von Probiotika zuführen können.

Dessen Aufgaben sind u.a.:

  • Resorption – also welche Nahrungsbestandteile werden vom Körper aufgenommen
  • Entgiftung – wie wird Überflüssiges abgebaut (wenn überhaupt)
  • Immunsystem – ca 70 % aller Immunzellen befinden sich hier
  • Körpergewicht – der Artenreichtum verantwortet die Verbrennung von Kalorien und wann Fettpolster angelegt werden.
  • Neurologie – die Darm-Hirn-Achse geht von unten nach oben. Bei der Ursachensuche von psychischen Störungen und neurologischen Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer wird kräftig im Darm geforscht.
  • Hormonelle Regulation – womit wir bei unserem Thema wären.

Hormonzentrale Darm – vom Mikrobiom zum Östrobolom

Neben den bekannten endokrinen Drüsen, also den Hormondrüsen, die ihre Sekrete in die Blutbahn abgeben, spielt jetzt auch das Mikrobiom mit.

Hormone, das wissen wir Frauen besonders, beeinflussen uns in allen Lebenslagen. Besonders deutlich machen sich hormonelle Verschiebungen in der Pubertät, Schwangerschaft, Geburt, Stillzeit, nach Absetzen der hormonellen Verhütung sowie in der Menopause bemerkbar. In diesen Zeiten zeigt sich bei einem Darm-Check in den allermeisten Fällen eine Verschiebung der Bakterien (Dysbiose genannt). Ich arbeite mit einem der führenden deutschen Labor zusammen. Der Standard „Darm-Check“ beinhaltet u.a. die Sicht auf die Zusammensetzung der Fäulnis-/Schutzflora, Entzündungsmarker (leaky gut), das Immunsystem und die Verdauungsrückstände

Was ist nun das Östrobolom genau?

Es gibt eine bestimmte Gruppe an Darmbakterien, die den Östrogenspiegel beeinflussen, man nennt sie Östrobolom. Achtung wichtig: Das Östrobolom widmet sich der Verarbeitung (Modulation) und Beseitigung (Metabolisierung) von Östrogen aus dem Körper.

Das ist eine mega wichtige Aufgabe. Östrogene wie alle anderen Hormone sind so aufgebaut, dass sie über Urin oder Stuhl nach der Verwendung eliminiert werden. Sie sollen nicht ständig im menschlichen Körper zirkulieren!

Wie macht mein Körper das?

 Überschüssiges Östrogen wird in der Leber umgebaut und über die Galle in den Darm transportiert. Ein von den Darmbakterien produziertes Enzym – die beta-Glucuronidase – führt zu einer Veränderung am Östrogen, welche dessen Ausscheidung verhindert.

Bei zu hohem beta-Glucuronidase-Anteil aufgrund einer ungünstigen Zusammensetzung der Darmflora kann es also zu einem Östrogenüberschuss kommen.

Bei zu niedrigem beta-Glucuronidase-Anteil aufgrund einer ungünstigen Zusammensetzung der Darmflora kann es also auch zu einem Östrogenmangel kommen.

Auch hier sehen wir wieder, wie ausbalanciert unser System ausgelegt ist – Harmonie (im Außen wie im Innen) übrigens Yoga trägt auch zu einer ausbalancierten Darmflora bei.

Es kann also durchaus möglich sein, das Östrabolom mit Probiotika zu modulieren, um dann ergänzend bei Erkrankungen wie PCOS, Endometriose, Osteoporose und auch hormonabhängigen Krebserkrankungen positiven Einfluss zu nehmen.

Wie kommt es zu einer Östrogendominanz?

Vorab gut zu wissen:

Wenn auf unserer Waage – die Schale mit dem Östrogen oben hängt, geht automatisch die Schale mit dem Progesteron nach unten. Wir unterscheiden zwischen einer relativen Östrogendominanz und einer absoluten!

Bei der absoluten Östrogendominanz sind die Östrogenwerte wirklich zu hoch. Wenn du einen Hormonspeicheltest machst, wirst du dort also erhöhte Werte finden.

Bei der relativen Östrogendominanz ist das nicht der Fall. Hier ist nicht der absolute Östrogenwert (der möglicherweise im Referenzbereich liegt), sondern das Verhältnis von Östrogen zu Progesteron von Bedeutung.

Weil Östrogen ein starker Förderer von Gewebewachstum ist (Tumor aber auch Myome, Endometriose etc.), muss der Östrogenspiegel ausgeglichen sein. Eine Östrogendominanz kann auch andere Probleme, wie z.B. Zyklusbeschwerden, Gewichtszunahme (Adipositas), Hautprobleme, Migräne etc. verursachen.

Eine Östrogendominanz kann vielerlei Gründe haben:

  • zu viel Östrogen über die Ernährung und die Umwelt (Xenoöstrogene)
  • zu viel Bauchfett (östrogenproduzierendes „Organ“)
  • nach dem Absetzen der Pille (leider schwindet das Progesteron viel zu schnell)
  • hormonelle Erkrankungen wie z. B.: PCOS
  • Leberfunktionsstörung
  • Starkes Übergewicht
  • chronischer Stress
  • Darmdysbiose (Östrobolom)
  • einen Mangel an Vitaminen und Spurenelementen, die der Körper zum Abbau von Östrogenen benötigt
  • in hormonelle Übergangsphasen wie Pubertät, Schwangerschaft und in den Wechseljahren

Mögliche Anzeichen von Östrogendominanz und dem damit einhergehenden Progesteronmangel sind:

  • Starke und lange Monatsblutungen mit Regelschmerzen
  • PMS
  • Wassereinlagerungen und Gewichtszunahme
  • Konzentrationsstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Schlafstörungen
  • Stimmungsschwankungen
  • Verstärkung der Wechseljahresbeschwerden
  • Endometriose, Polpyen, Zysten etc.

UND ein Überschuss an Östrogenen kann zudem Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion hervorrufen!

Wie kommt es zu einem Östrogenmangel?

Ein Östrogenmangel kann viele Ursachen haben:

  • Wechseljahre
  • Fehlentwicklung der Ovarien
  • nach einer langen Pilleneinnahme (beide Hormone sinken rapide)
  • in der Krebstherapie (medikamentös)
  • Nebennierenschwäche
  • Stress
  • Essstörungen
  • Chirurgische Entfernung der Gonaden

Mögliche Anzeichen von Östrogenmangel und dem (meist) einhergehenden Progesteronmangel sind:

  • Kreislauferkrankungen
  • Konzentrations- und Leistungsabbau
  • Hitzewallungen
  • vaginale Trockenheit und entsprechendes Infektionsrisiko häufig sichtbar im uro-genitalen Bereich
  • depressive Verstimmungen
  • Zwischenblutungen bis hin zu Amenorrhoe
  • Schlaflosigkeit
  • Osteoporose

 Fazit: Jetzt wissen Sie, was Ihr Darm mit Ihren Hormonen (Östrogenen) zu tun hat und warum Sie möglicherweise einen Östrogenüberschuß oder -mangel haben, der sonst nicht zu erklären ist.

Sie können gern eine Stuhldiagnostik und eine Hormonspeicheltest in meiner Praxis durchführen oder haben Sie bereits diese selbst durchgeführt, benötigen aber Hilfe bei der Interpretation – ich bin gern für Sie da!

Bild: Pixabay 

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