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Agnus castus – DIE pflanzliche Alternative?

Viele Patientinnen haben schon Erfahrungen mit Agnus castus gemacht, weil es scheinbar „DIE pflanzliche Alternative“ bei hormonellen Störungen ist, welche die Schulmedizin kennt.

Eine für Alle? Das wird ihr nicht gerecht. Denn so individuell wie jede Frau ist, so individuell ist auch jede Pflanze.

Dieser Blogbeitrag soll helfen, die Pflanze und deren Wirkspektrum besser zu verstehen, um sie gezielter einsetzen zu können.

In der Naturheilkunde hat man sich die Eigenschaften der Pflanzen schon früh zu nutze gemacht und zwar durch Beobachtung der so genannten Signaturen (Standort, Blütenfarbe, Aussehen der Blätter, Wuchsart etc.)

Der Fingerabdruck des Agnus castus

Die Blätter sind fingerförmige, lanzettenartig, ihre Blüten blau, beides ordnet sie eindeutig dem Planeten Merkur zu, der im Körper über die Hormondrüsen regiert.

Die scharf schmeckenden Früchte, einst als Pfefferersatz gebraucht, zeigt Marskraft im Mönchspfeffer. Auffällig ist die streng rhythmische Anordnung der Blüten und später der Früchte, die im Bezug zu zyklischen Prozesse, wie die Menstruationsblutung stehen. Dazu kommt noch die Vorliebe nach einem feuchten Wuchsort. Alles Hinweise auf ein mondbezogenes Wirken und Fruchtbarkeit.

Vom Namen her gesehen wird ja auch schon einiges deutlich:

Mönchspfeffer oder auch Keuschlamm wird der Agnus castus noch genannt. Seit der Antike eine Symbolpflanze der Enthaltsamkeit. Jahrhundertelang bereiteten sich die Frauen und vor allem Priesterinnen, die ihre Keuschheit bewahren wollten, aus den aromatisch duftenden Blättern ein Lager. Im Mittelalter aßen Nonnen und Mönche die scharf schmeckenden Früchte als Pfefferersatz, um damit ihre Lust zu dämpfen. Übrigens die Blätter verströmen einen dumpfen, fast betäubenden Geruch.

Die Wirkweise des Agnus castus

1.) Prolaktin-senkend (auf die Hypophyse) *)

2.) Progesteron-artig (auf die Ovarien) – eher ausgleichend

Er stellt ein relatives Gleichgewicht zwischen Östrogen und Progesteron zugunsten des Gelbkörperhormons her. Wichtig über Mönchspfeffer bekommen wir kein Progesteron zugeführt – Hormone zuführen kann keine Pflanze!

Das Anwendungsspektrum von Agnus castus in meiner Praxis:

  • Zyklusstörungen (aktiviert die Eierstöcke)
  • Prämenstruelle Beschwerden (weil hormonell ausgleichend, bei leichten Brustspannungen, Kopfschmerzen, verschlechtertes Hautbild und Stimmungsschwankungen)
  • Gelbkörperschwäche (regt die Hormonproduktion an)

Hier wirkt Agnus Castus begleitend (andere Pflanzen können das besser):

  • PCOS
  • Post-Pill (Amenorrhoe)
  • Menstruationsschmerzen

Bei einem Syndrom der Polyzystischen Ovarien, ist der Zyklus zwar auch verlängert, aber eine Erhöhung der männlichen Geschlechtshormone stehen hier im Vordergrund, Das Prolaktin findet sich meistens im Normalbereich

Auch bei einer Post-pill-Amenorrhö, dem Ausbleiben der Menstruation nach der Pille, ist der Mönchspfeffer nicht die Patentlösung für alle Probleme.

Auf die richtige Dosierung kommt es an:

Der aus den Früchten hergestellte Trockenextrakt wirkt am Besten (Fertigpräparate – Kapseln oder Tinkturen). Reine Tees aus Mönchspfeffer setze ich selten ein. Denn Extrakte haben den Vorteil, dass bei der Herstellung alle Wirkstoffe in ausreichender Menge in die entsprechenden Präparate übergehen – auch die unlöslichen oder schwer löslichen, was bei Tee nicht der Fall ist.

Liegt ein Gelbkörpermangel vor, sollte Agnus castus über mindestens 3 Monate hochdosiert eingenommen werden. Achtung: Hierbei kann es in Ausnahmefällen zu Libidoverlust kommen (denken wir doch an den Namen). Homöopathische Potenzen stehen libidoneutral zur Verfügung. Auch wenn Frauen von vermehrter Reizbarkeit unter der Einnahme berichten, kann der Mönchspfeffer durch andere Pflanzen ersetzt werden.

*) Prolaktin was ist das eigentlich?-

Einfach zu merken: Prolaktin ist das „3S“-Hormon = Schwangerschafts-/Still-/Stress

Prolaktin wird im Vorderlappen der Hypophyse (Hirnanhangdrüse) gebildet. Die Ausschüttung des Hormons wird von verschiedenen anderen Hormonen beeinflusst. Östrogen beispielsweise fördert die Ausschüttung (erhöht also den Prolaktinspiegel), Dopamin hemmt sie (senkt somit den Prolaktinspiegel).

Seine (positiven) Funktionen sind:

  • Das Wachstum der Brustdrüse während der Schwangerschaft anregen
  • Verantwortlich sein für die Milchsekretion während der Stillzeit => Interessanter Zusammenhang: In dieser Zeit wird auch der Eisprung unterdrückt wird (vgl. Post-Pill-Amenorrhoe)
  • Auswirkung auf die Psyche zeigen, denn es trägt dazu bei, dass Menschen und auch Tiere sich hingebungsvoll um ihren Nachwuchs kümmern

Die Folgen eines dauerhaft zu hohen Prolaktinspiegels (außerhalb der Schwangerschaft und Stillzeit) sind möglicherweise:

  • Ausbleiben des Eisprungs
  • (und damit einhergehend) unregelmässige oder ausbleibende Menstruation (auch wichtig beim unerfüllten Kinderwunsch)
  • Endometriose
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Dopaminmangel
  • Psychische Erkrankungen

Wann ist der Wert zu hoch (kommt häufiger vor als zu niedrig)?

  • Stress (der Verursacher Nummer 1 in meiner Praxis)
  • Schwangerschaft und Stillzeit (das ist dann so gewünscht)
  • Begleitet möglicherweise eine Funktionseinschränkung der Niere (Niereninsuffizienz).
  • Bei einem gutartigen Tumore des Hypophysenvorderlappens (Prolaktinom), lässt den Prolaktinwert auf mehr als 200 µg/l ansteigen. Hypophysentumoren können aber auch zu einem Mangel an Dopamin (es hemmt die Ausschüttung von Prolaktin) führen, sodass die Prolaktinkonzentration im Blut ungebremst zunehmen kann.
  • Auch durch Medikamente, die Dopamin hemmen (zum Beispiel Metoclopramid, Blutdruckmedikamente, Neuroleptika oder Antidepressiva)
  • Bei einer Schilddrüsenunterfunktion wird mehr schilddrüsen-aktivierendes Hormon freigesetzt (TSH). Gleichzeitig wird dadurch die Freisetzung von Prolaktin angeregt. Unter Umständen kommt es so bei einer Schilddrüsenunterfunktion zu einer erhöhten Prolaktinkonzentration im Blut. Manchmal tritt dabei sogar Milch aus der Brust aus (Galaktorrhö).

Wann ist der Wert zu niedrig?

  • Bei einer Unterfunktion der Hypophyse (Hypophysenvorderlappen-Insuffizienz)
  • Bei der Einnahme von Medikamenten (z.B. Dopamin-Agonisten – werden zur Therapie der Parkinson-Krankheit eingesetzt – aber auch bei Hyperprolaktinämie und Serotonin-Antagonisten).
Dieser Beitrag hat 8 Kommentare
  1. Sehr interessanter Artikel! Ich nehme wegen schweren Blutungen, Östrogendominanz / Gestagenmangel und Adenomyose auf Rat meines Gynäkolgen seit einem 3/4-Jahr Mönchspfeffer und profitiere bislang leider gar nicht davon. Was wären denn die von Ihnen angedeuteten Alternativen dazu? Herzlichen Dank für den tollen Blog!

    1. Hallo Inga, vielen Dank für Ihr Interesse an meinem Blog. Ich denke, dass bei Ihrem Beschwerdebild es wichtig wäre, die Hormonlage genau bestimmen zu lassen (Blut oder Speichel), damit hier gezielter reguliert werden kann. Eine Pflanze reicht manchmal nicht aus… Wenn Sie so lange keine Verbesserung festgestellt haben, wird es in der Tat nicht das Richtige für Sie sein… In der Regel wartet man 2-3 Monate auf eine Wirkung des Mönchpfeffers. Sie können mich gern auch per email kontaktieren.

  2. Vielen Dank für diesen interessanten Artikel!
    Ich nehme Mönchspfeffer wegen eines verkürzten Zyklus und PMS ein.
    Ich nahm bisher 4mg Trockenextrakt ein, nach einem Monat hatte sich mein Zyklus erfreulicherweise von 21 auf 28 tage verlängert, der Zyklus danach war leider wieder 21 Tage lang. Ich merke allgemein, der Wirkstoff tut mir gut. Meine Frage, kann ich höher dosieren? Wie hoch kann ich dosieren? Freue mich sehr auf Ihre Antwort.
    Herzliche Grüße, Antje

    1. Hallo Antje, danke für Ihren Kommentar. Wenn sich nach Absetzen eines gut wirkenden Präparates die Beschwerden wieder einstellen, dann sollte eine Testung der Hormone erfolgen. Der Mönchspfeffer hat ja eher eine regulierende Wirkung und substituiert keine fehlenden Hormone. Fühlen Sie sich gut damit, beginnen Sie eine erneute Kur. 4,8 mg pro Tabletten ist ausreichend. Mehr davon kann allergische Reaktionen hervorrrufen, außerdem werden über Hautreaktionen, Kopf­schmerzen, Schwindel, gastrointestinale Beschwerden, Akne und Menstruations­beschwerden berichtet. Gesunde Grüße

  3. Hallo Frau Mohr,

    seitdem ich die Pille (Minisiston) nach über 30 Jahren abgesetzt habe, morgens und Nachts sehr starke Muskelbeschwerden (Beine, Ärme, Finger) und Gelenkbeschwerden. Ich fühle mich morgens oft, als wäre ich nachts einen Marathon gelaufen. Im Laufe des Tages wird es meistens besser. Manchmal sind die Schmerzen auch komplett verschwunden. Sämtliche Untersuchungen bzgl. Rheuma usw. ergaben nichts. Bei den Blutwerten waren die Eisenwerte und Leberwerte erhöht.

    Glauben Sie, die Beschwerden können eine „Entzugserscheinung“ der Pille bzw. Hormone sein ? und dass mir Agnus castus helfen kann ?

    Vielen Dank und Herzliche Grüße
    Beate

    1. Hallo Beate, vielen Dank für Ihren Kommentar und die offenen Worte. Nach 30 Jahren Pille hat der Körper starke Entgiftungsleistung zu erbringen. Eine Unterstützung von Darm, Leber und das Auffüllen von Vitalstoffen, die durch die Pille verbraucht wurden, kann ein erster Schritt sein. Eine hormonelle Regulation käme dann als nächsten Schritt. Dabei ist Ihr Alter und Ihr Zyklus zu berücksichtigen. Alles Gute für Sie.

      1. Liebe Frau Mohr,

        ich hatte starke PMS Beschwerden und nehme agnus castus (5 mg) schon seit 4 Monate ein. Meine PMS Beschwerden haben sich gebessert.

        Ich habe zwei Fragen:

        1. Kann man agnus castus von heute auf morgen absetzen (wenn man es schon lange eingenommen hat) oder treten dann Beschwerden/ Nebenwirkungen auf?

        2. Könnte ich agnus castus unbedenklich weiter einnehmen z.b. über 1 Jahr?
        Oder kann es mir auch schaden wenn ich es zu lange einnehme?

        Vielen Dank und liebe Grüße
        Anne

        1. Hallo Anne, schön, dass Sie mir Ihr Vertrauen schenken. Da die Frage nach der Einnahme von Agnus castus häufig gestellt wird, beantworte ich diese hier allgemein. Wenn Sie spezielle Fragen haben, schicken Sie mir gern eine persönliche email. Agnus castus können Sie jederzeit absetzen, da es kein „Hormon“ ist, sondern eine Pflanze. Es empfiehlt sich aber, die Anwendung abzusetzen, wenn die Periode eintritt, um den eigenen zyklischen Prozess zu unterstützen. Der Mönchspfeffer kann langfristig angewandt werden (solange es keine Nebenwirkungen, wie allergische Reaktionen, gibt). Für mich stellt sich immer die Frage, warum benötigt der Körper eine dauerhafte Unterstützung. Die Antwort versuche in meiner Praxis zu bekommen… Gesunde Grüße

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