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Wie aus Ihnen eine unbequeme aber mündige Patientin wird

Das wichtigste ist, fragen – fragen – fragen – nerven. Fragen Sie, alles was Sie über Ihre Erkrankung wissen wollen. Lassen Sie sich nicht abspeisen mit Ärzte-Latein, bleiben Sie hartnäckig. Es geht um Ihre Gesundheit.

 

Manche Ärzte haben einfach keine Zeit für Erklärungen, sie stecken zu lange im „Geschäft“ und können sich nicht mehr in Laien hineinversetzen. Vielleicht haben sie auch den umfassenden Blick verloren, oder wollen ihren unantastbaren Status „in Weiß“ bewahren. Selbst langjährige Experten können nicht alles wissen. Dafür hat jeder Verständnis und das verlangt auch niemand, aber dass sich Menschen für unser Anliegen interessieren, darauf habe wir ein Recht. Das Recht auf Information, das Aufzeigen verschiedener Therapiemöglichkeiten, Alternativen, Zweitmeinungen und Transparenz.

 

Kürzlich war meine Tochter erstmals zur OP im Krankenhaus. Verunsichert, ängstlich und, wie wir alle, keine Ahnung von den Abläufen im Krankenhaus. Bei der Aufnahme gab es ein Bändchen um den Arm, da stand alles verschlüsselt drauf und dabei blieb es auch. Die verschlüsselte Patientin. Früher steckte die Akte wenigstens noch vorne am Krankenbett, aber die ist dem IPad des Chefarztes gewichen.

 

Um 5.30 Uhr aufgestanden, um 7.00 Uhr bestellt, nüchtern, 4 Röhrchen Blut abgenommen, wackelig, nervös. „Wann geht’s denn los?“ „Das wissen wir auch nicht. Ziehen Sie doch schon mal den OP Kittel an und legen Sie sich hier ins Bett. Ein Zimmer ist noch nicht frei. Die Klamotten legen wir ins Schwesternzimmer.“ Das schafft Vertrauen und ein sicheres Gefühl. Gut, dass ich Bachblüten-Tropfen dabei hatte.

 

Nach der OP dann kam meine Tochter gegen 14.00 Uhr auf’s Zimmer. Niemand konnte ihr sagen, ob die OP gut verlaufen war, was genau gemacht wurde, und wie es weitergeht. Bis 20.00 Uhr haben wir auf einen Arzt gewartet, der angeblich noch kommen sollte, aber nicht kam. Am nächsten Morgen um 7.00 Uhr wurde die Krankenzimmertür aufgerissen, 6 Menschen in weißen Kitteln „überfielen“ meine Tochter, die nach einer schmerzhaften Nacht, völlig übernächtigt, alles wie in Trance wahrnahm. „Alles gut gelaufen. Am Nachmittag kommt der Physiotherapeut. Wenn alles so weiter geht, können Sie Donnerstag nach Hause. Gute Besserung und bis morgen.“

Als ich um 9.00 Uhr kam, waren wir so schlau wie zuvor. Was heißt „so weiter wie bisher?“ Es lagen vier Tabletten in einer Schachtel am Bett, ohne zu erklären, wo für die sind. Schnell wurde ich zur nervenden Mutter auf der Station.

 

Wir forderten umgehend den OP Bericht, die Laborergebnisse und bestanden auf ein Gespräch mit dem Oberarzt. „Da müssen Sie sich noch gedulden, so schnell bekommen wir die Berichte nicht. Sind Sie vom Fach? Sonst will das niemand haben.“ „Vielleicht wissen die wenigsten Patienten auch, dass sie danach fragen können?“

 

Und ich frage mich noch, wonach die sehr bemühten Schwestern und Pfleger eigentlich die Medikamente dosieren und die Patienten betreuen. Standard oder wissen sie doch mehr und wollen nichts sagen.

 

Unsicherheit macht Angst und das hilft bei der Genesung nicht.

Meine Tochter hat jetzt gelernt zu fragen, nicht einfach Tabletten zu nehmen, auf ihr Recht nach verständlicher Information zu bestehen. Unbequem zu sein, hier darf sie ruhig mal zicken J

 

In meiner Praxis gehört es dazu, meine Patientinnen aufzuklären, damit sie wissen, welche Krankheit sie haben, welche Ursachen dahinter stecken, welche Möglichkeiten der Heilung sie haben. Ich erkläre Laborberichte, Wechselwirkungen der Medikamente und manchmal auch, dass der Weg zur Heilung ein langer sein kann.

 

Aber meine Patientinnen freuen sich über Klarheit und verstehen, dass „Verstehen“ auch ein Schritt der Akzeptanz ist. Bei der Gesundung ein wichtiger Prozess, auch die Psyche muss die Krankheit verstehen. Das verstehe ich unter ganzheitlicher Heilkunde.

Es freut mich dann besonders, wenn Patientinnen selbstbewusst wieder in meine Sprechstunde kommen und erklären, was sie den Arzt alles gefragt haben, welche Untersuchungen sie gefordert haben. Sie fühlten sich auf einer Stufe mit den Ärzten.

 

Angst haben nur diejenigen, die nicht wissen, was auf sie zukommt. Selbstverständlich kann das Wissen brutal sein, doch auch dafür gibt es seelische Unterstützung in der Naturheilkunde oder in der Psychotherapie.

 

Nachfolgend für Sie ein paar wertvolle Tipps, wie Sie sich aktiv mit Ihren Beschwerden und Ihren Ärzten auseinander setzen können:

 

  1. Worunter leiden Sie genau und was ist die Ursache Ihrer Beschwerden? Es geht nicht nur um die Behandlung der Symptome.

 

  1. Wie wird sich die Erkrankung möglicherweise entwickeln? Kann Sie chronisch werden, andere Organe belasten etc.?

 

  1. Welche Therapiemöglichkeiten gibt es? Welche Risiken und Nebenwirkungen bzw. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten müssen Sie beachten?

 

  1. Gibt es sanfte Alternativen zu den klassischen Behandlungsmethoden?

 

  1. Wie ist der Verlauf der Behandlung? Dauer?

 

  1. Wie können Sie selbst die Therapie unterstützen? Lebensgewohnheiten, Ernährung, Sport?

 

  1. Welche Kosten kommen auf Sie zu?

 

  1. Welches Ziel hat die Therapie? Gibt es Heilung oder nur Linderung?

 

  1. Werden zusätzliche Untersuchungsmethoden wie Röntgen, CT, Magenspiegelung etc. wirklich benötigt? Und was soll damit abgeklärt werden?

 

  1. Wann wird das Ergebnis besprochen?

 

  1. Bitten Sie um Informationsmaterial, Broschüren oder Tipps über Ihre Erkrankung.

 

  1. Wie oft hat der Arzt diese Therapie/Eingriff schon durchgeführt und mit welcher Erfolgsquote?

 

  1. Welchen Facharzt können Sie noch hinzuziehen?

 

  1. Bitten Sie um eine Kopie Ihrer Akte

 

Wenn Sie schon in naturheilkundlicher Behandlung sind, überprüfen Sie ruhig einmal, ob Ihnen Ihr Heilpraktiker diese Fragen bereits beantwortet hat.

 

Ich halte die Schulmedizin für absolut notwendig. Als Ergänzung, Unterstützung und manchmal auch als echte Alternative. Und daher kläre ich meine Patientinnen auch über die Methoden der Schulmedizin auf und welche ich befürworte bzw. welche Abklärungen getroffen werden müssen.

 

Bleiben Sie neugierig! Sie sind sich selbst Ihr bester Heiler.

Andrea Mohr

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