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Schwitzen ist nicht gleich schwitzen – Wechseljahre oder doch eine Störung der Schilddrüse?

Rund um den 50. Geburtstag einer Frau werden viele Symptome zu schnell dem Klimakterium zugeordnet. Schlafstörungen, Zyklusbeschwerden, Hitze, Stimmungsschwankungen – herzlich willkommen Wechseljahre.

Auch wenn diese Symptome täuschend ähnlich sind, kann die Ursache eine andere sein. Deshalb ist es wichtig weitere Parameter anhand einer Blut- oder Speichelkontrolle mit zu bewerten. Die Schilddrüse kann und ist oft die eigentliche Verursacherin (gefolgt von Überforderungsstörungen).

 

Störungen der Schilddrüse sind weit verbreitet und treffen besonders häufig Frauen. Das Risiko dafür steigt ab der Lebensmitte. Mehr als die Hälfte der über 45-Jährigen ist von Veränderungen betroffen. Und gerade in hormonellen Übergangsphasen, wie nach der Geburt eines Kindes oder in den Wechseljahren spielt die zarte schmetterlingsförmige Drüse verrückt.

 

In meiner Praxis sehe ich immer wieder Fälle, bei denen Frauen Hormonbehandlungen bekommen nur aufgrund von Symptomen ohne vorherige Laborkontrolle. Und alle wundern sich, warum sich keine Besserung einstellt oder sogar neue Beschwerden dazu kommen. Denn die Wechseljahre können Schilddrüsenbeschwerden verstärken oder sogar erstmals auslösen.

 

Die Hormonkaskade ist fein aufeinander abgestimmt. Und welche Rolle spielt dabei die Schilddrüse? Sie reguliert die Funktion von Nerven, Herz, Kreislauf und Muskeln und stellt dem Körper die Energie zur Verfügung, die er gerade braucht. Sie nimmt Einfluss auf die Verwertung der Nahrung, die Verdauung, Körpertemperatur, den Zyklus und die Psyche.

Eine Unterfunktion der Schilddrüse zeigt sich zum Beispiel durch Gewichtszunahme, frieren und Müdigkeit; eine Überfunktion durch innere Unruhe, Schlafstörungen und Herzbeschwerden – alles Probleme, wie sie auch die Wechseljahre verursachen können.

 

Beim Schwitzen gibt es allerdings einen wesentlichen Unterschied: Typisch für die Wechseljahre ist eine im Körper aufsteigende Hitze, die spontan und ohne Anstrengung entsteht. Feuchte Haut und zittrige Hände weisen eher auf eine Überfunktion der Schilddrüse hin, die Frauen erleben die Hitzewallung nicht als aufsteigend.

 

Manchmal treten typische Beschwerden auch schon auf, bevor die Blutwerte entgleisen. Andere Frauen spüren es kaum, wenn die Schilddrüse nicht mehr richtig arbeitet. Symptome wie Müdigkeit oder trockene Haut sind schwer zu fassen und werden leicht übersehen. Viele Menschen haben eine solche latente Unterfunktion, am häufigsten Frauen über 60. Manchmal merken die Patientinnen erst mit Beginn der Behandlung, dass vorher etwas nicht stimmte. Der Körper stellt sich auf einen niedrigeren Energielevel langfristig ein.

 

Die Autoimmunerkrankung Hashimoto Thyreoiditis (hier wehrt der Körper das eigene Schilddrüsengewebe ab und zerstört es) wird oft „der Clown unter den Schilddrüsenerkrankungen“ genannt. Denn sie kann anfangs ganz untypische Symptome zeigen, wie Müdigkeit, Aggressivität, Schlafstörungen. Es können Zeichen der Schilddrüsenüberfunktion als auch der Schilddrüsenunterfunktion auftreten.

Viele Frauen berichten, dass sie sich selbst nicht wieder erkennen und glauben, nur überarbeitet zu sein oder schieben die Beschwerden auf die Wechseljahre. Da bei kaum einer Erkrankung das hormonelle Gleichgewicht (häufig liegt eine Östrogendominanz und ein Progesteronmangel vor) und gleichzeitig das Immunsystem so durcheinander sind, wie bei Hashimoto, liegt es nahe, neben der Schilddrüsenhormontherapie auch ganzheitliche Behandlungen einzusetzen.

Risikofaktoren für Hashimoto sind Hormonschwankungen ebenso wie das Alter. Aber auch seelische Belastung, bakterielle und virale Entzündungen, Rauchen und Selenmangel können die Krankheit begünstigen.

 

Ich empfehle regelmäßige Kontrollen, vor allem rund um die Wechseljahre. Denn die Folgen einer nicht entdeckten Überfunktion kann das Risiko für Herzrhythmus-Störungen, Schlaganfälle und Alzheimer begünstigen. Bei Frauen nach der Menopause kann sie die Entstehung von Osteoporose begünstigen. Dagegen ist eine leichte Unterfunktion unangenehm, wie der niedrige Blutdruck auch, medizinisch aber nicht gefährlich. Nur bei starker Ausprägung steigt das Risiko für erhöhten Cholesterinspiegel, Bluthochdruck und damit für Arteriosklerose. Ich empfehle meinen Patientinnen daher, nicht nur manifeste Störungen zu behandeln, sondern auch latente.

 

Wenig untersucht ist bisher die Auswirkung einer Hormonersatztherapie (z. B. Pille, Wechseljahre) auf die Schilddrüse. Sicher ist nur, dass durch eine Zufuhr von Östrogenen weniger freie Schilddrüsenhormone direkt in den Zellen wirken. Frauen, die die Schilddrüsenhormone gleichzeitig mit Östrogenen bekommen, brauchen eventuell eine höhere Dosis.

Vor allen Dingen ist mal wieder Geduld gefragt, wie so oft, wenn unser Hormonhaushalt aus der Balance geraten ist. Aber es lohnt sich – für unsere Gesundheit.

Andrea Mohr

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. zu meiner Person:
    werde dieses jahr 53,
    nehme seit einigen jahren die pille climen ein,
    habe (angeblich) schilddrüsenüberfunktion und nahm bis okt./nov. letzten jahres l-thyroxin 75/100 ein
    habe letztes jahr starken haarausfall bekommen und bin dann auf l-thyroxin 50/100 (nov./dez.15) umgestellt worden.
    haarausfall hat wieder nachgelassen
    seit ca. 1 woche leide ich unter extremen hitzewallungen
    diese treten aber nicht in form von aufsteigenden wallungen auf, sonder sind ein brennen im oberkörper.
    kann das die schilddrüse (falsche dosierung), oder jetzt eher die wechseljahre sein?
    herzlichen dank für eine rückmeldung!

    1. Liebe Frau Duppel, herzlichen Dank für Ihr Vertrauen und Ihre Frage. In der Regel kommt es bei Frauen, unter der Pilleneinnahme nicht zu Wechseljahrsbeschwerden. Erst wenn Sie die Pille absetzen, kann es dazu kommen. Bitte lassen Sie nochmal die Schilddrüse prüfen (auch mit Antikörper-Bluttest zum Ausschluss von Autoimmunerkrankungen, am besten bei einem Endokrinologen) und entsprechend die Therapie anpassen. Ausserdem sollten Vitamin-/Mineralstoffmängel geprüft werden (z.B. Selen, Vitamin B12, Vitamin D, ggfs. Jod im Urin). Liegt vielleicht auch eine Allergie/Unverträglichkeit vor? Um auf die Ursache zu kommen, sind leider immer ein paar Tests nötig. Ich hoffe, Ihnen damit ein wenig geholfen zu haben. Gute Gesundheit.

  2. Vielen dank für die Informationen. Ich leide leider auch unter Schilddrüse und werde immer dicker wenn ich meine Tabletten nicht nehme und habe auch seid dem sehr straken Haarausfall.

    1. Liebe Anna, danke für Ihren Kommentar. Haben Sie schon einmal Ihre Eisenwerte kontrollieren lassen (Hb, Eisen, Ferritin und Transferin)? Oftmals ist eine Schilddrüsen-Störung mit Haarausfall aufgrund von Nährstoffmangel verursacht. Die Schilddrüse braucht eben mehr Zuwendung 🙂 Alles Gute.

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