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Natürliche Hormone, was heißt das eigentlich?

Immer mehr Frauen wünschen sich eine Behandlung mit natürlichen Substanzen. In vielen Gesprächen habe ich allerdings festgestellt, dass es hier Aufklärungsbedarf gibt.

 

Die Werbung hat die „Natur“ schon lange für sich entdeckt. Alles verkauft sich „natürlich“ besser, egal ob „Natural Chips“ oder Soßen mit „100 % natürlichen Zutaten“, die Ananas als „natürlicher Fatburner“ oder Getränke mit „natürlichem Aroma“.

 

Die Verbraucherzentrale Hessen fordert sogar den Gesetzgeber auf klarzustellen, wann ein Lebensmittel mit Begriffen wie „Natur“ oder „natürlich“ beworben werden darf. Ebenso plädiert sie für ein Verbot der Werbung mit „natürlich“ für stark verarbeitete und aromatisierte Lebensmittel. Die für Verbraucher missverständliche Bezeichnung „natürliche Aromen“ sollte zudem nach Ansicht der Verbraucherschützer konkretisiert werden.

 

Ähnlich ist es mit dem Begriff „natürliche Hormone“. Der amerikanische Arzt Dr. Lee hat mit seinem Buch „Natürliches Progesteron“ eine missverständliche Formulierung benutzt. Es lockt viele Frauen auf eine falsche Fährte.

 

Es gibt für die Hormone Östrogen, Progesteron, DHEA und Testosteron keine natürliche Quelle. Anders wie z. B. bei der Hagebutte, die als natürlicher Lieferant von Vitamin C dient. Die Natur stellt uns keine Pflanzen zur Verfügung, aus denen wir Hormone gewinnen können. Es gibt jedoch Pflanzen – wie die Yams-Wurzel – die entfernt Vorstufen (Diosgenin) unserer Hormone produziert. Der gereinigte und isolierte pflanzliche Ausgangsstoff wird nach vielen Synthese-Schritten zum bioidentischen Hormon umgewandelt. In dieser Form ist das Hormon dem Körper vertraut, und kann die gewünschten Wirkungen entfalten. Aber es ist nicht natürlich, sondern eben nur naturidentisch, halt „künstlich“.

 

Viele Frauen sind darüber sehr enttäuscht, weil sie sich eine rein natürliche Therapie vorgestellt haben.

 

Dennoch stellen die bio-identischen Hormone eine wichtige Therapiemethode dar, denn sie wirken zwar schwächer als die künstlichen Hormonen, weisen sie dafür aber viel weniger Nebenwirkungen auf und machen eine Anwendung über längere Zeit akzeptabel. Allerdings ist bei Patientinnen mit Krebsanamnese die Anwendung nicht zu empfehlen. Es besteht Verschreibungspflicht.

 

Und wenn wir schon aufklären, dann müssen wir auch fairerweise sagen, dass Phyto-Hormone im eigentlichen Sinne auch keine Hormone, sondern isoflavonhaltige Extrakte z.B. aus Soja, Rotklee, Mönchspfeffer oder Traubensilberkerze sind. Diese Extrakte wirken in unserem Körper hormonähnlich, können ähnliche Aufgaben übernehmen oder die Produktion von eigenen Hormonen anregen. Sie sind nur in Kapselform erhältlich, leider noch nicht in Crèmes. Die Verwendung von Scheidenzäpfchen aus Isoflavonen ist derzeit in der Erprobung. Die Anwendung bei Patientinnen mit Krebsanamnese muss indivduell geprüft werden. Die Präparate sind frei verkäuflich.

 

Bei beginnenden Beschwerden oder als sanftes Regulans stehen außerdem die homöopathisch potenzierten Hormone als Globuli oder als Crème zur Verfügung.

 

Bei der Verordnung gehe ich in meiner Praxis stets nach dem Prinzip „so viel wie nötig, so wenig wie nötig“ vor. Denn es erweist sich als schwierig, wenn Frauen nach einer langjährigen Therapie mit synthetischen Hormonen davon „loskommen“ wollen. Der Körper arbeitet sparsam und stellt die eigene Produktion von Hormonen ein, wenn er diese ständig von Außen zugeführt wird. Dann heißt es, den individuellen Hormonstatus wieder herzustellen, so wie es die Natur vorsieht.

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